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Allied - Vertraute Fremde

Allied - Vertraute Fremde
historien-drama , usa 2016
original
allied
regie
robert zemeckis
drehbuch
steven knight
cast
brad pitt,
marion cotillard,
jared harris,
lizzy caplan,
august diehl, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
22. Dezember 2016
homepage
http://www.allied-derfilm.de
bewertung

4 von 10 Augen
Allied - Poster

AlliedInmitten des Zweiten Weltkriegs landet der kanadisch-stämmige Geheimagent Max Vartan (Brad Pitt) unbemerkt per Falschschirm in Marokko und nimmt dort Kontakt zu der französischen Widerstandskämpferin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard) auf. Marianne hat sich bereits erfolgreich das Vertrauen der deutschen Besatzungsmacht und ihrer wichtigsten französischen Kollaborateure erarbeitet, nun mimt Max ihren französischen Ehemann, um gemeinsam ein Attentat auf den deutschen Botschafter vor Ort in Casablanca auszuüben. Obwohl die beiden mit allen Spionage-Wassern gewaschen sind, ihre Aufgabe sehr gewissenhaft angehen und genau wissen, dass eine persönliche Beziehung ihre gesamte Arbeit nur verkomplizieren würde, können die beiden ihrer gegenseitigen Anziehungskraft letztlich doch nicht widerstehen. Als das gemeinsame Attentat nicht nur gelingt, sondern Max und Marianne es unerwartet auch noch beide überleben, scheint ihrer Liebe und einem gemeinsamen Glück im halbwegs sicheren London nichts mehr im Wege zu stehen. Bis Max' Liebe und Vertrauen auf eine unerwartete, harte Probe gestellt wird.

Allied

Ab diesem, seinem zentralen Wendepunkt nimmt "Allied - Vertraute Fremde" endlich so etwas wie Spannung auf und bekommt einen gewissen Drive, der dem Film zuvor gefehlt hat. Dass bis zu diesem Zeitpunkt aber schon fast eine ganze Filmstunde vergangen ist, ohne dass man als Zuschauer sonderlich gefesselt worden wäre, ist das zentrale Problem dieses neuen Films von Robert Zemeckis. Denn jetzt wandelt sich "Allied" in einen klassischen Thriller mit "Wer kann hier eigentlich wem trauen?"-Strickmuster, dessen ganze Wirkung jedoch darauf basiert, dass man emotional richtig mitgegangen ist bei der Romanze, die der Film zuvor präsentiert hat. Aber die wollte leider nicht richtig zünden. 

Es ist fast schon etwas merkwürdig zu beobachten, wie "Allied" annähernd eine Stunde lang Szene nach Szene präsentiert, bei denen formal eigentlich alles stimmt, von denen aber trotzdem keine einzige zu wirklichem Leben erwacht. Alles wirkt irgendwie gestelzt, unglaubwürdig, eben im wahrsten Sinne des Wortes gespielt. Was umso erstaunlicher ist wenn man bedenkt, dass hier vor und hinter der Kamera einige große Namen am Werk waren und auch ausreichend Budget vorhanden war, um den historischen Look überzeugend hinzubekommen. Es ist nicht so, dass "Allied" unauthentisch aussehen würde, aber er fühlt sich so an. Und das liegt vor allem an der zentralen Romanze, die zwar auf dem Papier existiert, aber es irgendwie nicht so richtig auf die Leinwand geschafft hat.

AlliedEs fehlt der großen Liebesgeschichte, die "Allied" erzählen will, schlicht an Überzeugungskraft. Das theoretische Strickmuster, nach dem Drehbuchautor Steven Knight diese Romanze angelegt hat, ist deutlich erkennbar, doch trotz der Star-Besetzung und der redlichen Mühe, die sich Pitt und Cotillard geben, bleibt das heiße Geflirre, das zwischen ihren Figuren existieren soll, ein bloßer Wunsch des Drehbuchs. Es fehlt hier einfach am entscheidenden Funken zwischen den Darstellern, an der berühmten Chemie, die eine überzeugende Leinwand-Romanze einfach braucht, und die hier leider nur ein frommer Wunsch ist. Rund um Brad Pitts Trennung von Angelina Jolie hatte die Klatschpresse ja genüsslich darüber spekuliert, ob Marion Cotillard vielleicht eine Rolle dabei gespielt hat - schließlich war auch Pitts Beziehung mit Jolie damals durch gemeinsame Dreharbeiten losgegangen. "Allied" erweist sich nun etwas unfreiwillig als eindeutiger Beweis, dass an diesen Gerüchten nichts dran ist. Denn während seinerzeit bei "Mr. & Mrs. Smith" so unverkennbar war, wie es die ganze Zeit zwischen den beiden Hauptdarstellern brizzelte, dass man als Zuschauer fast das verlegene Gefühl hatte, bei einem ebenso heißen wie eigentlich privaten Flirt zuzuschauen, so hofft man hier vergeblich auf nur ein einzigen solchen Moment, der einem helfen würde, diese Liebesgeschichte wirklich zu glauben.

AlliedDoch da das nicht passiert, ist "Allied" dazu verdammt, auch in seiner zweiten Hälfte ein weitgehend seelenloses Unterfangen zu bleiben, weil er mit großen Gefühlen hantieren will, die er aber gar nicht erst erzeugt bekommen hat. Es ist der entscheidende Sargnagel für einen Film, der ohnehin irgendwie aus der Zeit gefallen wirkt. Natürlich gab es mal eine Ära, wo überlebensgroße Romanzen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs der ganz große Schrei waren, wo all diese historischen Umstände auch noch nah im kollektiven Gedächtnis waren. Man kann sich problemlos vorstellen, dass haargenau dieselbe Geschichte 1952 mit Cary Grant und Ingrid Bergmann in den Hauptrollen ein Riesenhit geworden wäre. Doch jetzt, über 60 Jahre später, fragt man sich so ein bisschen, warum einen dieser Film überhaupt interessieren sollte.

"Allied" arbeitet mit Versatzstücken, die wohlbekannt sind, eben weil man sie schon seit mehr als sechs Jahrzehnten immer wieder in Kriegs-Romanzen benutzt hat, er bietet keinerlei Metaphorik, die das Ganze irgendwie mit unserer heutigen Lebenswelt in Verbindung setzen würde, und wirkt so im schlechtesten Sinne des Wortes wie nichts weiter als ein "Kostümschinken": Ein Film, der ein paar berühmte Schauspieler historisch akkurat verkleidet, mit ihnen eine uninspirierte Geschichte von anno dazumal erzählt, und der Auffassung ist, dass das allein ja auch schon reicht, um was herzumachen. Filme wie diesen bringt Hollywood schon seit langer Zeit mit schöner Regelmäßigkeit gegen Jahresende heraus, um sie fürs Oscar-Rennen in Stellung zu bringen. Und wie seine Vorgänger im Geiste schielt auch "Allied" dabei so offensichtlich auf Filmpreis-Nominierungen, dass er keine Sekunde als etwas anderes erscheint als das, was er ist: "Award Season"-Futter eben, ein "Prestigeprojekt", von denen man sich als Hollywood-Studio jedes Jahr eines leistet als ein Feigenblatt, das den Eindruck wahren soll, man würde auch weiterhin die große Tradition der klassischen Leinwand-Erzählung pflegen. Doch das ist alles nur "So tun als ob", und mehr als "So tun als ob" bringt auch "Allied" nicht zustande.

Frank-Michael Helmke

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