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Bad Taste

Bad Taste
splatter-komödie , nzl 1987
original
bad taste
regie
peter jackson
drehbuch
peter jackson
cast
peter jackson,
ete o ’herne,
mike minett,
terry potter,
craig smith, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
21. September 2000
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

 

 

Wenn das keine bemerkenswerte Laufbahn ist: Der Mann, der momentan mit „Lord of the Rings“ eines der aufwendigsten Projekte der jüngeren Filmgeschichte dirigiert, hat mal ganz bescheiden angefangen. Nämlich mit „Bad Taste“, einem ursprünglich als Fünfzehnminüter geplanten Beinahe-Amateurfilm, der über einen Zeitraum von vier Jahren ausschließlich an Wochenenden gedreht wurde. Auch wenn man mit den bösen K-Wörtern „Kultfilm“ und „Klassiker“ ja eigentlich nicht allzu verschwenderisch um sich werfen sollte, bleibt festzuhalten, daß der Film, der jetzt mit schlappen 13 Jahren Verspätung auch ganz offiziell seinen Weg nach Deutschland gefunden hat, eben nicht nur als Peter Jacksons Debüt von historischer Bedeutung ist, sondern auch nach wie vor zum Besten gehört, was der Fun-Splatter so zu bieten hat.

Der Plot ist schnell erzählt: Die neuseeländische Kleinstadt Kaihoro ist von Außerirdischen überfallen worden, die die gesamte Einwohnerschaft zu Hackfleisch verarbeitet haben, um sich mit dieser neuen Geschmacksrichtung die Marktführung in der intergalaktischen Fast-Food-Industrie zu sichern. Selbstverständlich kann die Regierung da nicht tatenlos zusehen, und so wird eine vierköpfige Spezialeinheit nach Kaihoro geschickt, um den geschäftstüchtigen Aliens mal auf den Zahn zu fühlen. Erschwert wird die Aufgabe der eigentlich nicht ganz so elitären Eliteeinheit allerdings nicht nur durch deren wenig professionelles Auftreten und ihre recht sparsame Ausrüstung, sondern auch durch den Spendensammler Giles, der sich definitiv den falschen Tag ausgesucht hat, um Kaihoro einen Besuch abzustatten...

Die oben erwähnten Produktionsbedingungen dürften wohl deutlich machen, daß der Zuschauer bei „Bad Taste“ in puncto Ausstattung, Effekte, Musik und darstellerische Leistungen natürlich nicht den gewohnten Hollywood-Stil erwarten sollte. Sämtliche budgetbedingten Mängel - sofern man sie überhaupt als solche empfindet - und die geringe Erfahrung der Beteiligten werden jedoch von der spürbaren Leidenschaft und den bereits damals beachtlichen inszenatorischen Fähigkeiten Jacksons mehr als ausgeglichen. Der Film läßt die Begeisterung, die nötig war, um ihn unter den beschriebenen Umständen überhaupt fertigstellen zu können, jederzeit erkennen, was ihn ungemein sympathisch erscheinen läßt. Hinzu kommt noch der trockene Humor der Dialoge, der sehr schön mit den doch eher feuchten und sehr liebevoll gemachten Splatter-Szenen harmoniert, die mit ihrem Einfallsreichtum und ihrer Originalität Ende der 80er Jahre neue Maßstäbe setzen konnten. Die herzerfrischende Freude am Rumgematsche wird hier in Form cartoonartiger Slapstick-Sequenzen zelebriert, die ahnen lassen, wie eine Kollaboration von George Romero und Monty Python hätte aussehen können.

Bei den Hauptdarstellern handelt es sich ganz offensichtlich um Laien, die aber mit ausreichend Enthusiasmus bei der Sache sind, um ihre Rollen als Schmalspur-Söldner spaßig rüberzubringen. Peter Jackson selbst kann hier in einer Doppelrolle als Kettensägenfetischist Derek und depperter Außerirdischer Robert sein komödiantisches Talent auch vor der Kamera unter Beweis stellen. Ob die in der Originalfassung zum Teil mit breitestem neuseeländischen Akzent vorgetragenen Dialoge in der deutschen Synchronfassung noch ebenso erheiternd wirken, bleibt allerdings abzuwarten. Auch wenn Jacksons 1992er Werk „Braindead“ als nach wie vor ungeschlagene Blutgroteske „Bad Taste“ in so ziemlich jeder Hinsicht noch um ein Vielfaches übertreffen konnte, begeistert der unbekümmerte Charme seines Erstlings auch heute noch. Nachdem er anschließend mit dem exzellenten Drama „Heavenly Creatures“ und dem nahezu perfekten Mainstreamfilm „The Frighteners“ nochmal nachdrücklich unter Beweis stellte, daß er zu weitaus mehr in der Lage ist, als nur Splatterfans in Verzückung zu versetzen, dreht der einstige Wochenendfilmer jetzt mal eben „Lord of the Rings". Bemerkenswert.

Andreas Berger

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