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Barry Seal: Only in America

Barry Seal: Only in America
abenteuer-komödie , usa 2017
original
american made
regie
doug liman
drehbuch
gary spinelli
cast
tom cruise,
domhnall gleeson,
sarah wright,
e. roger mitchell, u.a.
spielzeit
116 Minuten
kinostart
7. September 2017
homepage
http://upig.de/micro/barry-seal-only-in-america
bewertung

8 von 10 Augen

barry s 1Tom Cruise legt bei der Anzahl seiner aktuellen Produktionen eine bemerkenswerte Schlagzahl an den Tag und probiert anscheinend alles Mögliche aus, um neben seiner verlässlichen "Mission Impossible"-Franchise auch weiterhin gut im Geschäft zu bleiben. Allerdings hat davon in letzter Zeit kaum etwas wirklich funktioniert, seine beiden SciFi-Filme „Edge of Tomorrow“und „Oblivion“ erhielten zwar ordentliche Kritiken, liefen an der Kinokasse allerdings nur mittelprächtig. Der Versuch, „Jack Reacher“ als Marke zu etablieren, verläuft weiterhin schleppend, was für die Rezeption der neuen „Mumie“ noch geschmeichelt ausgedrückt wäre. Doch während Cruise als verfluchter Abenteurer in der Horror/Fantasy-Gurke ziemlich fehl am Platz wirkte, hat er nun endlich wieder eine Figur gefunden für die er genau der Richtige ist, nämlich den so dreisten wie charmanten Draufgänger Barry Seal, dessen Geschichte genauso verrückt wie größtenteils wahr ist.
 

barry s 2Er ist ein angesehener Pilot und hat eine attraktive Ehefrau, doch Barry Seal fühlt sich körperlich ausgelaugt und sieht sein Leben in einer Sackgasse angelangt. Als ihm der junge CIA-Mann Monty Shafer (Domhnall Gleeson) anbietet, im Auftrag der Regierung mit seinem Flugzeug Fotos von den Stellungen unliebsamer Rebellen in Südamerika zu schießen, ist Barry daher schnell Feuer und Flamme. Er bewährt sich als tollkühner Pilot und bekommt bald noch ganz andere Angebote, denn auch einheimische Drogenschmuggler wissen seine Fähigkeiten zu schätzen und bieten ihm für den Transport ihrer Ware eine verlockende Vergütung. Doch damit nicht genug, wird Barry schließlich in den 80er Jahren sogar zu einer Schlüsselfigur im Konflikt mit Nicaragua, liefert Waffen an die von den USA geförderten Contra-Rebellen, hilft weiterhin seinen Kumpels vom Medellin-Kartell und weiß irgendwann gar nicht mehr, wo er die Unmengen von Bargeld überhaupt noch auf seiner Farm verstecken soll. Doch insgeheim ist auch Barry Seal klar, dass dies ein Leben auf der Rasierklinge ist, das nicht ewig so weiter und am Ende gut ausgehen gehen kann.
 

barry s 3Barry Seal war auch in der Realität eine Schlüsselfigur der Iran-Contra-Affäre, die zeitweilig auch den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan sowie dessen Vize George Bush sr. in Bedrängnis brachte. In der Öffentlichkeit war sein Name bisher allerdings kaum bekannt, da Seal stets vom CIA gedeckt und daher selbst nach Bekanntwerden seiner umfangreichen Drogengeschäfte lediglich zu einigen Monaten Sozialarbeit verurteilt wurde. Es ist im Kern eine sehr ernste und eigentlich gar nicht lustige Geschichte über Waffen- und Rauschgifthandel, Lügen und Vertuschungen. Der Film, den Regisseur Doug Liman (der mit Tom Cruise schon bei „Edge of Tomorrow“ zusammenarbeitete) hier abliefert, verfolgt allerdings einen völlig anderen Ansatz und präsentiert die Story des Barry Seal als überdrehte Satire mit hohem Unterhaltungswert.

Eine Satire, welch die realen Ereignisse allerdings nur leicht überspitzt darstellt, und es ist fürwahr erstaunlich was in den späten 70er und frühen 80er Jahren so alles möglich war, wie Regierungen und Geheimdienste bzw. ein paar Einzelpersonen innerhalb dieser Organisationen sich einfach über alle gesetzlichen Bestimmungen hinwegsetzten um ihr ganz eigenes „Ding“ zu machen. So war die Unterstützung der Contras in Nicaragua absolut nicht durchdacht, wollten diese doch viel lieber Geschäfte machen als im Sinne der USA zu kämpfen. Und wenn Barry Seal sie zu Ausbildungszwecken in die Staaten bringt, nutzen dann auch die meisten der potentiellen Soldaten die Gelegenheit lieber um sich flugs ins gelobte Land abzusetzen.

barry s 4Der Film ergreift dabei keine klare Partei, erhebt sich auch moralisch nicht über seine Hauptfigur, sondern lässt diese stattdessen aus ihrer ganz eigenen Sicht die Geschichte erzählen. Und demzufolge handelte es sich bei Seal einfach nur um einen eher einfach gestrickten Typen, der sich allerdings als gewieftes Schlitzohr erwies, wenn es darum ging Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Und Tom Cruise ist in dieser Rolle perfekt besetzt, sprüht vor Spielfreude wie schon lange nicht mehr und macht es einem praktisch unmöglich diesen Hasardeur, der seine ganz eigene Version vom „American Dream“ auslebt, nicht zu mögen. Und ihn fast zu bemitleiden, wenn er darüber verzweifelt, wo er denn um alles in der Welt die ganzen Säcke voller Geld noch verstauen soll.

Trotz diverser ebenfalls mehr oder weniger durchgeknallter Nebenfiguren sowie der Einbindung historischer Personen wie etwa Pablo Escobar ist „Barry Seal“ dem Titel entsprechend vor allem eine große Show seines Hauptdarstellers, und das Duo Cruise/Liman zeigt erneut, dass es wirklich sehr gut harmoniert. Denn „Only in America“ findet genau den richtigen Ton für diese tragikomische Geschichte, die im Grunde dermaßen absurd ist, dass sie eigentlich auch nur auf genau diese Art erzählt werden kann. Und das Ergebnis ist dann tatsächlich ein Riesenspaß.

Volker Robrahn

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