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Bulletproof Monk

Bulletproof Monk
action-komödie , usa 2003
original
regie
paul hunter
drehbuch
ethan reiff, cyrus voris
cast
chow yun-fat,
seann william scott,
jaime king,
karel roden, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
26. Juni 2003
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Es gibt Filme, bei denen man sich wirklich fragt, warum sich kein guter Mensch fand, der die Macher rechtzeitig aufhielt und sie vor dem großen Unglück bewahrte, ihre Zeit und ihr Geld in etwas zu investieren, was so offensichtlicher Schwachsinn ist. "Bulletproof Monk" ist so einer. Dieser Film braucht nur wenige Minuten, um sich mit Nachhaltigkeit in die absolute Trash-Ecke zu manövrieren, und verbringt den Rest seiner Laufzeit damit, sich emsig noch tiefer hineinzugraben. Wenn zu Beginn in der malerischen Idylle eines tibetanischen Klosters in den 1940er Jahren eine antike mythologische Schriftrolle vorgestellt wird, deren Text ihrem Leser die Macht zur Weltbeherrschung verleihen würde, erntet dieses billige Zurechtbasteln einer weiteren "Wir retten die Welt"-Story zunächst nur mildes Kopfschütteln. Dass der Wächter dieser Schriftrolle, der den geheimen Text vor Missbrauch durch böse Mächte schützen soll, genau alle 60 Jahre wechseln muss, erscheint zunächst wie eine merkwürdig gewählte Zeitspanne. Wenn dann aber auf einmal eine Horde Nazis in diesem fernöstlichen Hochland auftaucht, jede Menge buddhistische Mönche umsenst und das Übergaberitual an den nächsten Wächter stören will, um an die Schriftrolle zu kommen, wird der Kopf bereits aus Ungläubigkeit geschüttelt. Das meinen die wirklich ernst?
Tun sie. 60 Jahre Wechselzeit von einem Wächter zum nächsten, dass bedeutet dann nämlich, dass der namenlose und hochgradig kampfkünstelnde Mönch (Chow Yun-Fat) sich zu Beginn seiner Amtsperiode (während welcher der Wächter übrigens nicht altert) einen üblen Nazi-Schergen als stetigen Verfolger anlacht, und dann genau im Hier und Heute einen Nachfolger zu suchen hat. Was er natürlich in New York macht. Wo sonst. Und der Nazi-Typ ist immer noch hinter ihm her. Der ist zwar gealtert und dementsprechend ein faltiges Wrack im Rollstuhl, hat dafür aber grenzenlos Geld und jede Menge gesichtslose Handlanger zur Verfügung, die sich dankenswerterweise immer direkt durch ihre schrankartige Erscheinung und obligatorischen Sonnenbrillen verraten. Schließlich werfen wir noch Seann William Scott mit in den Topf, bekannt vor allem als Ober-Partyperverser Stifler aus den "American Pie"-Filmen. Der tritt hier als Kung-Fu-Filmfan, der sich seine Kampftechnik quasi direkt von Bruce Lee und Sonny Chiva abgeguckt hat, und ergo etwas untypischer Aspirant für die Berufung als nächster Schriftrollen-Beschützer auf und soll zum ersten Mal in seiner Karriere eine Rolle spielen, die halbwegs ernst genommen werden will. Dass das nicht wirklich klappt, versteht sich wohl von selbst.
Als wären an den Haaren herbeigezogene Nazi-Schergen, eine noch hanebüchenere Weltbeherrschungs-Mythologie, eine bescheuerte Geschichte und zumindest ein überforderter Hauptdarsteller noch nicht genug, gibt sich "Bulletproof Monk" alle Mühe, sich im Folgenden möglichst noch lächerlicher zu machen. Da setzt man bei den Kampfszenen von Seann William Scott schon einmal gerne den Zeitraffer ein, damit die Bewegungen wenigstens so schnell laufen, wie sie eigentlich aussehen sollten. Und da macht man sich auch keinen Kopf darüber, wie es der Mönch schafft, den Text der Schriftrolle abzuschreiben, ohne ihn tatsächlich zu lesen (denn genau das darf man nämlich nicht).

"Bulletproof Monk" hat genug Löcher für eine ganze Käsefabrik und Kampfszenen die so lahm sind, dass man sie in der Ära nach "Matrix" eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Er könnte gleich als kompletter Trash abgehakt werden, wenn da nicht Chow Yun-Fat wäre. Diesen Helden des Hongkong-Actionkinos in einem Stück übelsten Zelluloid-Schund wie "Bulletproof Monk" zu sehen verursacht fast schon physische Schmerzen, doch gleichzeitig schafft er es mit einer grandios demonstrierten, ruhigen Erhabenheit stets über dem peinlichen Mumpitz zu schweben, der sich um ihn herum ereignet. Wenn dieser Film für eines taugt, dann für die Lektion, wie man es als Schauspieler schafft, sich auch in fiesem Trash seine Würde zu bewahren. Ein Extra-Auge für Chow Yun-Fat und diese respektable Leistung der Selbsterhaltung, ansonsten aber Höchststrafe und mehrfaches Abwatschen für den ganzen Rest. Für solch einen durch und durch dämlichen Film darf man sich eigentlich nur schämen.

Frank-Michael Helmke

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