kleine Werbepause
Anzeige

Der letzte Kaiser

Der letzte Kaiser
historien-epos , italien/frankreich/großbritannien 1987
original
the last emperor
regie
bernardo bertolucci
drehbuch
bernardo bertolucci, mark peploe
cast
john lone,
peter o'toole,
joan chen,
victor wong, u.a.
spielzeit
160 Minuten
kinostart
homepage

Der letzte Kaiser - Special Edition (3 DVDs)
bei Amazon bestellen >>>

"Der letzte Kaiser" ist ein großer Film, vielleicht einer der größten, die das Kino je hervorgebracht hat - und hier ist mit groß wirklich Größe gemeint, nicht Qualität. Obwohl er natürlich auch einer der besten Filme aller Zeiten ist, sonst wäre er nicht in dieser Rubrik. Bernardo Bertolucci und sein wahre Wunder wirkender Produzent Jeremy Thomas erschufen mit diesem monumentalen Historienepos ein Werk von beispielloser Dimension, das in seiner visionären Breite weit mehr erzählt als "nur" die Geschichte eines Mannes. Das Schicksal des letzten chinesischen Kaisers Pu Yi wird hier hinauf stilisiert zum Schicksal seines ganzen Landes: Der letzte Repräsentant des historischen Kaiserreiches durchlebt den Zerfall von allem, was ihm je eine Identität gegeben hat, und das ganze Land tut es mit ihm.

Pu Yi ist eine Gestalt von wahrhaft historischer Tragik. Als Kopf einer Kultur, die in ihrer tausende von Jahren umspannenden Geschichte stets dynastisch und despotisch geführt wurde, wächst er hermetisch abgeriegelt umgeben von einer Gesellschaft auf, deren revolutionäre Umstürze ihn vollkommen unvorbereitet überrollen. Pu Yi wurde zu einem hilflosen Spielball historischer Kräfte, und steht so tatsächlich sinnbildlich für alle Umwälzungen, die China in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchmachte, und welche die größte Kultur des fernen Ostens für immer veränderten.
Im Alter von nur drei Jahren wird Pu Yi seiner Mutter, einer Konkubine des chinesischen Prinzen, weg genommen und in die "Verbotene Stadt" gebracht, den abgeriegelten Sitz des chinesischen Herrschers in Peking. Dort ernennt ihn die sterbende Kaiserinwitwe zu ihrem Nachfolger - der Knirps besteigt den Thron von China, und wird von nun an den Palast nicht mehr verlassen. Bis die Revolution über ihn hereinbricht.

Es ist eine bizarre Welt, in der Pu Yi wie im goldenen Käfig aufwächst. Er ist der einzige Mann, der in der Verbotenen Stadt leben, überhaupt die Nacht dort verbringen darf. Alle seine Diener sind keine "richtigen" Männer, wie ihm seine Großmutter auf dem Sterbebett erklärt, nur Eunuchen dürfen dem Kaiser dienen. Von nun an wird der Willen des Kindes bedingungslos erfüllt. Anfangs noch kindlich-verspielt, lernt Pu Yi bald seine uneingeschränkte Macht auszunutzen, und wächst zu einem verzogenen Gör heran, das seinen kindlichen Spielgefährten seine Macht demonstriert, indem er seine Untergebenen zu menschenunwürdigen Taten zwingt (in einer Szene muss ein Diener eine Schale voll Tinte trinken).
Dass er 1911 durch eine Revolution zum Abdanken gezwungen wird und China sich in eine Republik verwandelt, kriegt er fast gar nicht mit - bis plötzlich eine neue Mauer durch die Verbotene Stadt gezogen wird. Nach und nach dringt der politische Wandel immer mehr in Pu Yis Lebensraum ein. Vom ausbrechenden Bürgerkrieg zwischen Nationalisten, Kommunisten und regionalen Warlords bleibt er zunächst unbehelligt, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Verbotene Stadt nicht mehr sicher ist. An seiner Seite steht in dieser Zeit Pu Yis englischer Erzieher (gespielt vom legendären Peter O'Toole). Er ist es auch, der dem weltfremden Naivling beibringt, was eigentlich um ihn herum vorgeht.
Bewahren kann er ihn dennoch nicht vor einem Schicksal, über das Pu Yi nie selbst die Kontrolle bekommt. Mit 18 Jahren wird er aus der Verbotenen Stadt vertrieben und sucht törichterweise Asyl beim Feind Japan. Sieben Jahre darf er in der japanisch kontrollierten Stadt Tianjin den Playboy spielen, bis ihn die Japaner für ihren imperialistischen Einmarsch in China missbrauchen: Der aus der nordchinesischen Provinz Manchurai stammende Pu Yi wird als Marionettenkaiser eingesetzt, nachdem die Invasoren die Region erobert haben.
Eingeschlossen in einem neuen prachtvollen Palast, befindet sich Pu Yi wieder im goldenen Käfig, und muss hilflos mit ansehen, wie er Macht, Ansehen und schließlich auch seine zwei Frauen verliert: Die Eine ans Fernweh, die andere ans Opium. Sein langer Weg abwärts endet schließlich in einem kommunistischen Umerziehungslager für Kriegsverbrecher, von wo aus der Film in Rückblenden erzählt ist.
Die Erzählstruktur von "Der letzte Kaiser" tut ihr Bestes, um dem Zuschauer den Eilmarsch durch ein halbes Jahrhundert chinesischer Geschichte zu erleichtern. Das ist allerdings nicht die einzige Schwierigkeit, die der historische Stoff für die Filmemacher bereithielt. Der letzte Kaiser Pu Yi eignet sich kaum als Identifikationsfigur. Sein Status als Sonderling der Weltgeschichte ist dem ebenso im Weg wie sein weitgehender Mangel an positiven Charaktereigenschaften. Eine der größten Herausforderungen für Bertolucci war es, dieses Mammutwerk um einen Charakter herum zu bauen, für den der Zuschauer nur schwerlich Mitgefühl empfinden kann.
Die beste Waffe des Regisseurs war die Größe und Kraft seiner Geschichte, und diese Waffe wusste Bertolucci meisterhaft einzusetzen. Die Produktion von "Der letzte Kaiser" will der Dimension ihres Vorbilds in nichts nachstehen und verpflichtet sich entsprechend einer schwelgerischen Opulenz - nicht nur mit den unglaublich prachtvoll fotografierten, in brillante Farben getauchten Bildern, sondern auch in allen Aspekten der Ausstattung und Szenerie. Für die Krönungsszene des kindlichen Kaisers verwendete Bertolucci über 10.000 Statisten, so viele wie nie zuvor in einer einzigen Szene.

Das ist nur einer der Gründe, warum bei diesem Film auch die Arbeit des unabhängigen Produzenten Jeremy Thomas nicht genug hervorgehoben werden kann. Ihm gelang unter anderem ein spektakulärer Deal mit der chinesischen Regierung: Als erste westliche Produktion durfte "Der letzte Kaiser" an den Originalschauplätzen in der Verbotenen Stadt gedreht werden. Außerdem stellte die chinesische Koproduktionsfirma kostenfrei ihre Studios und eine unbegrenzte Menge an Statisten zur Verfügung, im Austausch für die Vertriebsrechte auf dem chinesischen Markt. Insgesamt kamen 19.000 Statisten zum Einsatz. Auch das ist ein historischer Rekord, der zudem zu einer nicht weniger historischen Anekdote führte: Als Königin Elizabeth II. auf Staatsbesuch in Peking weilte, konnte sie die Verbotene Stadt nicht besichtigen: Der immense Produktionsaufwand der Krönungsszene machte einen Besuch unmöglich, und die chinesische Führung gab dem Dreh höhere Priorität. Pech für die Queen, Glück für die Filmzuschauer.
Das beispiellose Ausmaß der Produktion stellte für den unabhängigen Jeremy Thomas ein enormes Wagnis dar, das sich jedoch mehr als bezahlt machte. Bei 25 Millionen Dollar Produktionskosten spielte "Der letzte Kaiser" allein in den USA 108 Millionen ein, inflationsbereinigt wäre das heutzutage ungefähr das Dreifache. Und auch die Fachleute waren begeistert: Bei den Oscars räumte er in neun Kategorien ab - Ausstattung, Kamera, Kostüme, Schnitt, Musik, Ton, Drehbuch, Regie und Film.

Auch für Bernardo Bertolucci stellte "Der letzte Kaiser" den unbestrittenen Höhepunkt seiner Karriere dar: Groß geworden als einer der jungen Kino-Revoluzzer, welche die französische Nouvelle Vague in ganz Europa wachgerüttelt hatte, erklomm das Regie-Wunderkind mit visionären Frühwerken wie "Vor der Revolution" (1964 im Alter von gerade mal 24 Jahren gedreht) schnell die Ruhmesleiter in Europa. Mit dem Skandal-Film "Der letzte Tango in Paris" (1972) erntete er weltweite Aufmerksamkeit, mit dem monumentalen Historiendrama "1900" (1976) übte er sich schon mal in Opulenz.
Seine Liebe für großartige Bilder, psychologische Symbolik und elegantes Erzählen lebte Bertolucci allerdings nie überzeugender aus als in "Der letzte Kaiser", und somit ist es nur konsequent, dieses Meisterwerk sowohl der Regie- als auch der Produktionsleistung in den Kanon der größten Meilensteine der Filmgeschichte aufzunehmen.
Bertoluccis anschließende Filmografie ist hingegen nur noch wenig beeindruckend. Dem Riesenerfolg folgte der überkandidelte Schinken "Little Buddha" mit einem gnadenlos überforderten Keanu Reeves in der Hauptrolle, danach kam das benebelte Toskana-Intellektuellen-Drama "Stealing Beauty", das arge Züge einer Altherren-Fantasie über Hauptdarstellerin Liv Tyler annahm. Sein Film "Shandurai und der Klavierspieler" (1998) war so uninteressant, dass er sieben Jahre brauchte, bis ihn überhaupt jemand in die deutschen Kinos bringen wollte, wo er dann auch schnell wieder verschwand. Immerhin ließ Bertoluccis letztes Werk wieder interessiert aufblicken: In Rückbesinnung auf seine eigene Vergangenheit als filmfanatischer Jungrevolutionär in den französischen 68er-Studentenunruhen inszenierte er mit "Die Träumer" eine Ode an die Leidenschaft fürs Kino, und siedelte sie passenderweise 1968 in Paris an. Der Anfang von Bertoluccis Alterswerk?
Dem gealterten Pu Yi, jenem tragischen Spielball der Geschichte, gönnte Bertolucci jedenfalls schon 1987 ein poetisches Ende. Nachdem der Bürgerkrieg, die kommunistische Machtübernahme unter Mao Zedong, 10 Jahre Umerziehungs- und Arbeitslager und schließlich die maoistische Kulturrevolution über ihn und das ganze Land hinweg geschwappt sind, hat Pu Yi - stellvertretend für ganz China - alles "verlernt", woran er sich jemals in seinem Leben halten konnte. Und so wie Chinas kulturelle Identität nach diesen historischen Umwälzungen zur tabula rasa wurde, stirbt auch Pu Yi als ein von den Mächten der Geschichte rein gewaschener Geist - mit jener Unschuld, die ihm als Kind nie vergönnt gewesen war.

Frank-Michael Helmke

8

ich finde das thema höchst interessant und habe mich sogar entschlossen eine facharbeit über den letzte kaiser zu schreiben. ich bin begeistert von diesem film und dem realitätsnahen szenen!!!

10

ein sehr schöner, bildgewaltiger film, der dem zuschauer bräuche und sitten der chinesischen kultur nahe bringt und versucht, verständnis hervorzurufen. das einzige manko ist, dasse er stellenweise etwas zu langatmig wird.

Mit das Boot und ganz wenig anderen einer DER Filme der 80er.....

9

Ich finds absolut super, dass dieser Film von der Redaktion so positiv aufgenommen wurde. Der letzte Kaiser gehört schon lange zu den Geheimtipps! Must SEE

10

Einfach einer der besten filme aller zeiten,
allein schon die psychische wirkung reißt einen mit !!!!!
Die forstellung, wenn dein ganzes leben buchstäblich von einer mauer umschlossen ist. das leben ist begrenzt, ja ... aber selten in solch einer unübersehbaren form.

10

kann ich nutr eeiter mpfehlen

10

tolle geschichtliche verfilmung, muß man geshen haben,

10

Sehr schöner Film der haben wir in der Schule gesehen!

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
4 + 3 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.