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Kingsman 2: The Golden Circle

Kingsman 2: The Golden Circle
agenten-komödie , großbritannien/usa 2017
original
kingsman: the golden circle
regie
matthew vaughn
drehbuch
matthew vaughn, jane goldman
cast
taron egerton,
colin firth,
julianne moore,
mark strong,
channing tatum,
halle berry,
bruce greenwood,
pedro pascal, u.a.
spielzeit
140 Minuten
kinostart
19. September 2017
homepage
http://www.fox.de/kingsman-the-golden-circle
bewertung

6 von 10 Augen

colden c 1Kingsman“ war vor gut zwei Jahren der Film, auf den sich alle einigen konnten. Sowohl Publikum als auch Kritik zeigten sich praktisch ausnahmslos angetan von dem originellen Agenten-Spektakel, das Matthew Vaughn („Kick-Ass“) nach der von ihm selbst mitgeschriebenen Comicvorlage inszeniert hatte. Nicht nur, dass es darin gelang aus dem personifizierten britischen Biedermann Colin Firth einen saucoolen Agenten zu machen, dieses Attribut verdiente sich gleich der gesamte Film über die clevere Geheimorganisation, dem eine ziemlich perfekte Balance zwischen abgefahrenen Ideen, blutiger Action und einnehmendem Charme gelang. Auch das Box Office-Einspiel konnte sich sehen lassen und so kommt nun also die von Matthew Vaughn damals im Interview mit Filmszene bereits angekündigte Fortsetzung in die Kinos. Wieder mit prominenten Gaststars, sowie in den Hauptrollen mit Taron Egerton und... Colin Firth?

golden c 2 Der war doch eigentlich im Vorgänger durch die Hand von Samuel L. Jackson einen reichlich fiesen Tod gestorben, weshalb sein Zögling Eggsy (Taron Egerton) nicht nur den Platz, sondern auch gleich noch den Decknamen „Galahad“ von Harry Hart übernommen hatte. Die Bedeutung des immer noch am Beginn seiner neuen Karriere stehenden Eggsy steigt aber immens, als durch einen Raketenangriff fast die gesamten „Kingsmen“-Spitzenkräfte ausgeschaltet werden, lediglich Waffenmeister und Technik-Chef Merlin (Mark Strong) bleibt ihm von den alten Vertrauten erhalten. Hinter dem Anschlag steckt die Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore), die von ihrem Versteck in Südamerika aus an einem teuflischen Plan arbeitet: Mithilfe eines tödlichen Giftes, das sie als Zusatz den Drogen beigibt, werden alle Konsumenten ihrer „Produkte“ innerhalb weniger Tage sterben – sofern nicht Poppys Forderungen erfüllt und ein entsprechendes Gegenmittel verabreicht wird. Auf der Suche nach Unterstützung landen Eggsy und Merlin bei den amerikanischen Kollegen der „Statesman“-Einrichtung und müssen sich mit neuen Partnern arrangieren, die so gar nichts von britischer Etikette halten. Dort wartet dann aber auch eine Überraschung auf sie, treffen sie dort doch auf einen quicklebendigen Harry Hart (Colin Firth).

golden c 3Oder zumindest einen halbwegs lebendigen Harry, denn so ganz der Alte ist der aufgrund der Umstände dann doch nicht mehr, und wie man dieses „Rätsel“ schließlich erklärt ist zwar an sich nicht besonders realistisch, im leicht verrückten „Kingsman“-Universum, in dem halt auch wissenschaftlich und physikalisch sehr viel mehr möglich ist, aber sogar einigermaßen überzeugend. Da der gute Harry aber noch nicht wieder 100% einsatzbereit ist, kommt den US-Agenten der „Statesman“ eine umso bedeutendere Rolle zu und wie diese als schöner Kontrast zu unseren britischen Gentlemen in Szene gesetzt werden, macht mit am meisten Spaß in „The Golden Circle“. Vor allem Pedro Pascal, bisher eher aus TV-Serien wie „Narcos“ und „Game of Thrones“ bekannt, gibt dabei eine herrliche Burt Reynolds-Parodie inklusive gewaltigem Schnauzer.

Die Ami-Welt riecht hier also stark nach den 70ern, Oberschurkin Poppy dagegen hat sich in ihrem Geheimversteck im Dschungel eine künstliche 50er-Jahre-Welt samt Drive-In, Diner und Rock`n Roll-Schuppen gebaut und hält sich darin den verschüchterten Elton John als allzeit abrufbares Spielzeug (der Musiker in einer witzigen Gastrolle, die deutlich mehr als nur ein Cameo-Auftritt ist). Von Julianne Moore kannte man solche zum Chargieren einladenden, überkandidelten Charaktere bisher noch nicht, die Schauspielerin hat aber sichtlich Vergnügen am Böse sein.

golden c 4 Allerdings beschert uns ihre Poppy auch gleich zu Beginn eine Szene, die nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. Denn wenn sie dort einen ungehorsamen Mitarbeiter wortwörtlich durch den Fleischwolf dreht, nur um diesen dann kurz darauf zwischen zwei Burgerhälften zum Verzehr zu servieren, dann kippt das Ganze eben schon sehr früh ins arg Cartoonhafte. Was es doch ein gutes Stückchen schwerer macht, die ja auch immer wieder eingeschobenen dramatischen und bewegenden Momente zwischen den Hauptfiguren noch einigermaßen ernst nehmen zu können. Denn die für eine Fortsetzung wohl unvermeidliche „Noch größer, wilder und verrückter“-Devise sorgt halt dafür, dass die oben so gelobte Balance in der zweiten Runde leider nicht mehr so gut funktioniert und das Geschehen auf der Leinwand somit öfter ins Albern-Groteske kippt. Man spürt, dass es dieses Mal keine bereits fertige und durchstrukturierte Vorlage, gab sondern Matthew Vaughn stattdessen einfach nach der Methode „Was könnte man denn noch alles mit reinbringen“ verfuhr. Was im Übrigen auch für die zwar von den Namen her beeindruckende, letztlich aber teilweise enttäuschend eingesetzte Schar von Gaststars gilt, unter denen sich Namen wie Channing Tatum, Halle Berry oder Jeff Bridges befinden. 

Das bedeutet nun nicht, dass die „Kingsman“ im zweiten Durchlauf nicht trotzdem weiterhin jede Menge Spaß bereiten, und vor verrückten Einfällen sprühen sie sowieso. Aber der Overkill an abgefahrenen Momenten kann halt nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dafür doch ein wenig an der Frische und der Liebenswürdigkeit des Vorgängers mangelt. James Bond kann also weiterhin ruhig schlafen, denn dieser Secret Service bespielt eigentlich ein völlig anderes Genre als der altgediente Agent ihrer Majestät.

Volker Robrahn

Bei den "Kingsman"-Filmen

1

Bei den "Kingsman"-Filmen habe ich dass Gefühl dass sie in einigen Jahren mit dem Label "typisch späte 2010er" versehen werden. So ungebremst zynisch der Humor, so scheinbar reibungs- und gefühllos und quasi nebenbei Massenmord als 'Humor' zu inszenieren – das hat es früher im Kino halt dann doch so nicht gegeben.
Bei Monty Python war es Programm, Lachkrämpfe mit Magencholiken zu kombinieren - hier ist das Gemorde einfach Teil dessen was so passiert, ganz ohne Magencholik.

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