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No Way Out: Gegen die Flammen

No Way Out: Gegen die Flammen
action-drama , usa 2017
original
only the brave
regie
joseph kosinski
drehbuch
ken nolan, eric warren singer
cast
josh brolin,
miles teller,
jennifer connelly,
taylor kitsch,
jeff bridges,
james badge dale, u.a.
spielzeit
134 Minuten
kinostart
3. Mai 2018
homepage
http://www.nowayout.studiocanal.de
bewertung

8 von 10 Augen
No Way Out - Poster

No Way OutMan kann Feuer mit Wasser bekämpfen. So macht man das bei Gebäudebränden, und die wackeren Feuerwehrleute, die sich todesmutig in brennende Häuser stürzen, haben schon diverse filmische Huldigungen erfahren. Man kann Feuer aber auch mit Feuer bekämpfen. So macht man das, wenn man es mit ungleich größeren Bränden zu tun hat, wenn ganze Wälder in Flammen stehen und sich eine zerstörerische Brunst vorwärts frisst, der mit ein bisschen Feuchtigkeit nicht mehr beizukommen ist. Wenn es darum geht, ein Feuer nicht zu löschen, sondern es aufzuhalten. Ihm den Weg abzuschneiden, indem man ihm den Brennstoff nimmt und kontrollierte Brände legt, bevor die große Feuersbrunst eintrifft. Eine ungleich komplexere und gefährlichere Aufgabe als bei räumlich klar begrenzten Gebäudebränden, denn die Feuerwehr-Trupps, die bei solchen riesigen Flächenbränden an vorderster Front arbeiten, oft nur wenige Meter von den Flammen entfernt, können der vernichtenden Kraft ihres Gegners nicht durch ein simples "Nichts wie raus hier!" entkommen. Einer solchen Truppe an wagemutigen Teufelskerlen setzt "No Way Out: Gegen die Flammen" ein Helden-Denkmal, und liefert neben sehr packendem Drama auch enorm interessante Einblicke in die Arbeit dieser besonderen Art von Feuerwehrleuten. 

No Way OutErzählt wird die wahre Geschichte der "Granite Mountain Hotshots", einer Feuerwehrtruppe aus dem Ort Prescott in Arizona, die im Jahr 2013 im Zentrum einer großen Tragödie standen. Die Handlung des Films setzt einige Jahre vorher ein, als die Mannschaft unter ihrem Chef Eric Marsh (Josh Brolin) noch lediglich als Hilfstruppe in zweiter Reihe gegen die großen Wildfeuer kämpfen darf. Marsh will es unbedingt schaffen, dass seine Mannschaft als erste städtische Feuerwehreinheit überhaupt die Zertifizierung als "Hotshots" bekommt, und somit an vorderster Front zum Einsatz kommt. Ihre Heimatstadt Prescott ist umgeben von Wäldern und darum ein Ort, der prädestiniert dafür ist, früher oder später von einem massiven Feuer existentiell bedroht zu werden. Mit diesem Drohszenario gewinnt Marsh schließlich die nötige Unterstützung der Lokalpolitik und seines bärbeißigen Vorgesetzten Duane Steinbrink (Jeff Bridges mit einer fast schon selbst-parodistischen Vorstellung von cowboyigster Cowboyhaftigkeit) und gewinnt die notwendigen neuen Rekruten, um mit ausreichender Mannschaftsstärke am großen Ziel zu arbeiten. Unter den Neulingen ist auch der drogensüchtige Brendan McDonough (Miles Teller), der die Feuerwehrausbildung nutzen will, um sein Leben wieder in den Griff zu kriegen, und hart daran arbeiten muss, sich den Respekt seiner sehr skeptischen neuen Kollegen zu erarbeiten. 

No Way Out"No Way Out" nimmt sich viel Zeit zu erzählen, wie diese Truppe zu einer Einheit zusammenwächst, wie sie ihr Ziel der "Hotshot"-Zertifizierung erreichen und wie sich im folgenden ihr Alltag gestaltet zwischen gewöhnlichem Familienleben und einer Arbeitsroutine, die ständige Lebensgefahr mit sich bringt. Und genau hier liegt auch das eigentliche Interesse des Films. Gerade angesichts dessen, dass Regisseur Joseph Kosinski sich bisher vor allem mit sehr stylischem Oberflächen-Kino einen Namen gemacht hat ("Tron: Legacy", "Oblivion") ist es beachtlich, wieviel Raum er hier seinen Figuren jenseits der Action einräumt. Es ist mehr als deutlich, wie sehr dem Film daran gelegen ist, hier wirklich ein lebendiges Denkmal zu schaffen und den echten Menschen hinter dieser Geschichte als komplexe Persönlichkeiten gerecht zu werden, anstatt nur einen platten, klischeeüberladenen Helden-Werbespot abzuliefern.

Wobei auch das auf visueller Ebene fast unvermeidlich ist: Zwanzig unverschämt gut aussehenden, durchtrainierten Mannsbildern dabei zuzuschauen, wie sie echte Männerarbeit machen, wird sicher auch allen weiblichen Zuschauern sehr gut gefallen, auch wenn "No Way Out" in erster Linie ein Männerfilm ist, der präzise und authentisch den raubeinigen Umgang und Tonfall einfängt, mit dem solche Testosteron-Trupps ihre Kameradschaft und männliche Verbundenheit ausleben. No Way OutDie Gleichmütigkeit, mit der die "Hotshots" sich immer wieder in größte Gefahr begeben, als wäre es eben nicht mehr als ein ganz normaler Tag auf der Arbeit, ringt einem unvermeidlich größte Bewunderung ab, und die Sequenzen, welche die Truppe bei ihrer gefährlichen Arbeit zeigen, sind gleichermaßen energiegeladen, visuell aufregend und faszinierend, denn man lernt so einiges darüber, wie einer riesigen wütenden Feuersbrunst beizukommen ist. 

Seine wahre Größe zeigt "No Way Out" aber eben in den Phasen dazwischen, wenn er den Alltag jenseits der lebensgefährlichen Einsätze einfängt und viel dafür tut um zu veranschaulichen, was so ein Job bedeutet im Hinblick auf ein normales Ehe- und Familienleben. Stellvertretend für all die Frauen, die fast täglich um das Leben ihrer Ehemänner bangen müssen, steht hier Jennifer Connelly als Eric Marshs Ehefrau Amanda. Und es ist bemerkenswert, dass dieser mit echten Mannsbildern übervolle Film genug Raum schafft, um auch Amanda als eine vielschichtige Figur herauszuarbeiten und ihre spezifische Beziehungsgeschichte mit Eric mit diversen, sehr menschlichen Facetten zu versehen. 

No Way OutDer Wille des Films, weniger ein Action-Drama zu sein als ein wirkliches, lebensnahes Portrait dieser Feuerwehrleute, funktioniert nicht nur, er macht "No Way Out" auch zu einem ungewöhnlichen Kinoerlebnis, weil man es von solch einer Hollywood-Produktion gar nicht mehr gewohnt ist, nach echter Tiefe und Authentizität in ihren Charakteren zu suchen jenseits dessen, was für die gradlinige Dramatik der Story relevant ist - gerade bei einem Stoff wie diesem, der auf wahren Begebenheiten beruht. Häufig genug führt das dazu, dass man sich auf dem Stempel der "Echtheit" ausruht und sich nicht sonderlich viel Mühe gibt, dem Publikum die Figuren näher zu bringen. Als würde der Verweis schon reichen, dass es diese Menschen wirklich gibt bzw. gegeben hat, um Mitgefühl und emotionale Resonanz zu erzeugen. "No Way Out" tritt nicht in diese Falle, und in der Konsequenz macht ihn das umso wirkungsmächtiger. Der Film hat es überhaupt nicht eilig, zu seinem dramatischen Höhepunkt zu kommen, und als dieser endlich da ist, sind einem diese Männer so sehr ans Herz gewachsen, dass man wirklich vollkommen emotional involviert ist. 

In den USA ist "No Way Out" unverdientermaßen leider auf kein großes Publikumsinteresse gestoßen, und so wird er wohl auch hierzulande nur auf einer relativ bescheidenen Anzahl von Leinwänden anlaufen. Davon sollte man sich nicht abhalten lassen: "No Way Out" ist wirklich großes Kino, überzeugend gespielt, wirkungsvoll und ohne unnötige Effekthascherei inszeniert, und mit echtem Herz für die wahren Helden in seinem Zentrum. 

Frank-Michael Helmke

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