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Nocturnal Animals

Nocturnal Animals
thriller-drama , usa 2016
original
nocturnal animals
regie
tom ford
drehbuch
tom ford
cast
amy adams,
jake gyllenhaal,
michael shannon,
aaron taylor-johnson,
laura linney, u.a.
spielzeit
116 Minuten
kinostart
22. Dezember 2016
homepage
http://universalshowtimes.com/de/nocturnal-animals
bewertung

9 von 10 Augen
Nocturnal Animals Plakat

Warten kann manchmal eine lohnenswerte Angelegenheit sein. Sieben Jahre hat es gedauert bis der Modedesigner Tom Ford nach “A single man“ seinen zweiten Ausflug in das Regiefach gewagt hat. Wer dessen Erstlingswerk gesehen hat wird kaum überrascht sein, dass auch “Nocturnal Animals“ wieder ein optischer Leckerbissen geworden ist. Unter der stylishen Oberfläche steckt aber auch noch ein cleverer und packender Neo-noir Thriller und so dürfen sich Freunde des intelligenten Kinos, passend zum Fest, über ein wundervolles cineastisches Weihnachtsgeschenk freuen.

Freude ist im Film dagegen eher ein Fremdwort für Susan (Amy Adams, “American Hustle“, “Arrival“), denn deren Leben ist mehr Schein als Sein. Ihre Arbeit als Kunsthändlerin in Los Angeles ist nicht wirklich erfüllend und ihr attraktiver Ehemann (Armie Hammer, “Codename U.N.C.L.E“, “Lone Ranger“) betrügt sie ohne mit der Wimper zu zucken. Eines Tages erhält Susan überraschend ein Päckchen ihres Ex-Ehemannes Edward (Jake Gyllenhaal), den sie jahrelang nicht gesehen hat. Edward hat ihr das Manuskript zu seinem neuen Roman “Nocturnal Animals“ zur Erstansicht geschickt. Das Buch handelt von Tony (ebenfalls Jake Gyllenhaal), dessen Auto nachts auf dem Highway vom skrupellosen Ray (Aaron Taylor-Johnson, “Godzilla“) und dessen Gang abgedrängt wird. Ray entführt dabei die Frau und die einzige Tochter von Tony, der sich daraufhin mit dem örtlichen Polizisten Bobby Andes (Michael Shannon, “Take Shelter") auf die verzweifelte Suche nach seiner Familie begibt. Während Susan das Buch liest wird ihr dabei sehr schnell klar, dass es einen triftigen Grund gibt, warum der Roman ausgerechnet ihr gewidmet ist. Susan steht vor einer aufwühlenden Reise in die eigene Vergangenheit, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird.
 

Es ist keine leichte Aufgabe, die sich Regisseur und Drehbuchautor Tom Ford hier vorgenommen hat. In “Nocturnal Animals“ springt die Story munter zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Fiktion hin und her und eine der großen Stärken des Films ist es dann auch, dass ihm dies mit einer überzeugenden Leichtigkeit von der Hand geht. Die meiste Zeit verbringt der Film dabei mit der fiktiven Handlung des Buches, einem klassischen Thriller, dessen Story Erinnerungen an alte B-Movies weckt. Die Umsetzung wiederum hat mit B-Movie nur wenig zu tun, denn hier wird dank einer tollen Inszenierung und überzeugender Darsteller richtig intensiv an der Spannungsschraube gedreht. Hier zieht der Film auf clevere Weise viel Energie aus dem interessanten Figurenkonstrukt, bei dem die komplette Unberechenbarkeit von Ray auf die kühle Herangehensweise des Polizisten Andes und die fast schon hilflose Verzweiflung von Tony trifft. Insbesondere der immer gern gesehene Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson halten hier mit ihren packenden Darstellungen das Energie-Level der Geschichte am Anschlag.

 

Der wirkliche Reiz an der Handlung des Buchs liegt aber natürlich in seiner Einbettung im ganzen Film und den Auswirkungen auf Susan. Es ist schnell klar, dass zwischen Susan und Edward einst irgendetwas schief gelaufen ist und dass Edward mit diesem Buch eine ganz bestimmte Absicht verfolgt. Als Zuschauer wird man aber lange Zeit im Dunkeln gelassen um was es sich dabei nun wirklich handelt. So ist man sich nie sicher in welche Richtung sich alles entwickelt und welche Symbolik den Figuren und ihren Handlungen im Buch denn genau zugesprochen werden kann. Interessant ist dabei die Tatsache, dass man das Buch ja sozusagen aus der Sicht von Susan wahrnimmt, ergo sie die Person ist, welche für das “Casting“ des Buchs verantwortlich ist. Welchen Grund mag es haben, dass sie die Rolle des Tony mit ihrem Ex-Ehemann besetzt, in dessen Frau aber nicht sich selbst sieht, sondern eine andere Person - die ihr aber wiederum extrem ähnlich sieht?
 

Diese und andere Fragen geistern durch den Kopf des Zuschauers, wobei die Story aber nicht den Fehler macht zu arg abzuheben und man so nie droht vor lauter offenen Fragen die emotionale Bindung zum Film zu verlieren. Am ehesten könnte man das Ganze als eine gelungene Mischung aus einem David Lynch-Film (Erinnerungen an "Lost Highway" werden hier wach) und einem klassischen Hitchcock-Thriller betrachten. Immer wieder bekommen wir dabei geschickt kleine Informationsbrocken aus der realen Welt zugeworfen, die Stück für Stück das Puzzle ein klein wenig mehr vervollständigen. Im Gegensatz zur aufgeheizten Stimmung im Buch präsentiert sich die reale Welt von Susan allerdings als sehr unterkühlt und distanziert. Hier gelingen unter der Führung von Regisseur Ford dann, insbesondere durch das kompetente Zusammenspiel von Inszenierung, Setdesign und Musik, einige der intensivsten Szenen des Films - auch wenn wir ja eigentlich nur einer Frau beim Lesen zuschauen. Wie hier langsam die über Jahre bewahrte Fassade einer insgeheim doch tief unglücklichen Frau große Risse bekommt, gehört zu den überzeugendsten Charakterzeichnungen dieses Kinojahres.

 

Genauso faszinierend sind auch die zahlreichen visuellen Hinweise, die Ford über den ganzen Film verteilt. Vieles davon ist wundervoll subtil eingeflochten, wie zum Beispiel die Rolle eines Sofas, dass in zwei emotional wichtigen Momenten einen Gastauftritt hinlegt. Aber hin und wieder übertreibt es Ford auch ein bisschen mit der Symbolik und man hätte sich ein wenig mehr Zurückhaltung gewünscht - Stichwort “Bild im Museum“. Auch bei den Ausflügen in die Kunstszene von Los Angeles bewegt sich der Film, zumindest gefühlt, manchmal ein klein bisschen zu nah an der Grenze zur Persiflage. Diese kleinen Aussetzer lassen sich aber leicht verzeihen, bei einem Film, der die restliche Laufzeit mit einer so traumwandlerischen Sicherheit das Porträt einer tragischen Liebesgeschichte und deren Konsequenzen zeichnet. Das wohl größte Kompliment, was man “Nocturnal Animals“ machen kann, ist dann auch die Tatsache, dass bei all der Tragik der Film ausgerechnet bei den rar gesäten leichten Momenten zur Höchstform aufläuft. Die wenigen Rückblenden in die schöneren Zeiten zwischen Edward und Susan sind mit die Highlights des Films. Vor allem in einer wundervoll geschriebenen Restaurant-Szene erschafft der Film in einer Minute mehr Romantik und Emotion als manche Romantische Komödie in zwei Stunden.
 

Das wiederum liegt natürlich auch an den beiden herausragenden Hauptdarstellern. Jake Gyllenhaal scheint zwar schon mit einem verletzten Blick auf die Welt gekommen zu sein, stellt hier aber auch eindrucksvoll seine Schauspielkünste unter Beweis und zeigt, dass er in den letzten Jahren einfach auch ein wirklich überzeugendes Gespür für die richtige Rollenwahl besitzt (“Nightcrawler“, “End of Watch“, “Prisoners“). Einen richtigen Lauf hat auch Amy Adams, die nach “Arrival“ gleich mit dem nächsten Kino-Highlight um die Ecke kommt. Ihre Leistung ist hier dabei sogar noch höher zu bewerten. Wie Adams hier perfekt dosiert dem Zuschauer einen Blick hinter die zerbrechliche Fassade ihrer Figur ermöglicht ist schon allerhöchste Schauspielkunst.

"Nocturnal Animals“ mag mit seinen tragischen Motiven so gar nicht in die besinnliche Weihnachtszeit passen, trotzdem kann man sich aktuell kaum eine bessere Entscheidung für einen bewegenden Kinoabend vorstellen. Tom Ford gelingt eine intelligente und vor allem unglaublich intensive Auseinandersetzung mit den tiefen Narben, welche eine unglückliche Liebesbeziehung hinterlassen kann. Eine atmosphärisch dichte Mischung aus Drama und Thriller, die auch noch ein absolut perfektes Schlussbild findet. Ein einziger Blick sorgt hier für gleich einen Haufen von Interpretationsmöglichkeiten, und so geht der Zuschauer auch noch mit jeder Menge wundervollem Diskussionsstoff nach Hause. Und ist es nicht genau das, was wir uns von großem Kino wünschen?

Matthias Kastl

ACHTUNG! SPOILER! Meine

9

ACHTUNG! SPOILER! Meine Interpretation des Filmes, nicht Lesen, wenn Du Dich noch überraschen lassen möchtest!

Meine Interpretation zum Film:

Das Manuskript gleicht einem Tagebuch, in dem Edward sein Leben verarbeitet – ich wage zu bezweifeln, ob es Edward jemals veröffentlicht wollte.

Darin verarbeitet er den Verlust der Liebe seines Lebens, Susan. So kann er nicht mal ihr die Schuld geben ihn verlassen zu haben, sondern sieht sie und sich als Opfer einer materialistischen Elite, welche sie ihm entrissen hat. Vergewaltigt und getötet, unwiederbringlich. Und so stirbt auch er.

Susan wird beim Lesen dieser Schilderungen schwach und scheint sich fast von den materiellen Werten Ihres Lebens wieder abzuwenden. Sie will ein Treffen mit Edward. Doch als dieser ihr bezüglich eines Treffens antwortet und nach dem Ort und der Zeit des Treffens fragt, schreibt Susan nicht zurück.

So macht sie sich bedrückt fertig, geht an den Ort des Treffens, welchen sie Edward vermutlich nicht mitgeteilt hat, und wartet natürlich vergebens. So erschafft auch sie die Illusion, dass sie Willens war Ihrer Welt zu entkommen, nun aber Edward für ihre Schwäche verantwortlich machen kann. Einmal mehr wird ein weiteres Puzzlestück der Fassade hinzugefügt, bis das Bild nun perfekt und Susan gänzlich verloren ist. Die selbsterfüllende Prophezeiung erfüllt sich, Susan gleicht nun ihrer Mutter.

Wer ähnliches erlebt hat, kann es verstehen, für andere ist es eine Geschichte.
Und das ist das Leben in dem Roman in einem Film.

Wozu die Aufregung um diesen

5

Wozu die Aufregung um diesen Film? Nach all den positiven Kritiken, die ich dazu las, erwartete ich jetzt eine Art von Denksport-Psychothriller, genau auf Hinweise und Details achten, und eine augenöffnende Auflösung.

Leider ist dieser Film komplett vorhersehbar. Die "innere Story" ist nach spätestens 10 Minuten so offensichtlich, dass man es eigentlich nicht glauben will, und auf einen Clou wartet - vergeblich. Das Einzige, was der Film nachliefert, sind Bestätigungen dessen, was längst offensichtlich war.

Und so hofft man nach der ersten Hälfte des Films noch auf eine Bewegung der Story in der "realen Welt", doch es kommen bestenfalls noch "In die Fresse"-Hinweise für diejenigen, die es immer noch nicht verstanden haben. Ganz ehrlich, man benötigt hier wirklich keine Sofas oder Gemälde, um den Film zu verstehen.

Die Darstellung des realen Lebens von Susan überlässt der Regisseur dem Styling der Kulissen (und drückt es einem auch hier regelrecht ins Gesicht, bis zu den Kostümen von Nebendarstellern). Man könnte das auch als künstlerisches Mittel des Regisseurs sehen - nur ist es einfach zu viel, zu lang, ohne weitere Information.

5 Punkte wegen der Optik, und der Performance von Michael Shannon und JG. Keine 6, weil der Film 20 Minuten kürzer sein könnte, ohne das man was verpasst.

Dafür liebe ich Filmszene.

10

Dafür liebe ich Filmszene. Weil mich diese Plattform immer wieder auf Filme aufmerksam macht, die nur marginal beworben wurden und von mir verpasst worden wären, hätten sie hier nicht eine außergewöhnlich gute Bewertung bekommen. Der elegante "Stoker" ist ein solches Beispiel und auch der exzellente "Nightcrawler". Hier nun taucht die nächste Perle auf: "Nocturnal Animals" ist ein wunderschön grausamer, entschleunigt trauriger und fürchterlich bildgewaltiger Film. Mit einer Musik zum Sterben. Für Filmliebhaber, die schwere Kost vertragen können, ist dieses Juwel ein absolutes Muss. Die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten ein Geschenk. Ganz großes Kino.

Bitteschön - was ist das

3

Bitteschön - was ist das denn???
Story? welche Storys - eine Verknüpfung der Realität mit dem Buch findet alles höchstens begrenzt statt.
Ende ist offen bzw. Interpretationssache
Leider besitzt der Film nichts
Eine absolute Enttäuschung - wie kann man dafür 9 Punkte geben

***SPOILER*** Ein durchweg

8

***SPOILER*** Ein durchweg eindringlicher und auch spannender Film. Alle Darsteller sind großartig, Optik und Musik ebenso. Die grauenhaften Szenen im Buch sind zu ertragen, wenn man weiß, dass es sich hier um Analogien zur realen Welt handelt. Besonders interessant fand ich die Sichtweise auf die zwei Erzählstränge. Das Buch von Edward hat einen bestimmten Zweck und die Rollen sind von ihm bewusst gewählt. Für den Zuschauer wird das Buch aus der Sicht von Susan gelesen und die Rollen und Szenen nach ihren Vorstellungen bestückt.

Das Ende hat mir jedoch nicht gefallen. Das ist ärgerlich, denn der Film hat bis dahin eigentlich alles richtig gemacht. Wozu noch die Restaurant-Szene? Zuerst einmal verstehe ich gar nicht, warum Susan sich hoffnungsvoll mit Edward verabredet: Das Buch hätte ihr doch klar machen müssen, dass deren "Geschichte" für Edward nun nach 20 Jahren endlich abgeschlossen ist. Das Buch ist eine Verarbeitung für Edward und auch eine klare Abrechnung mit Susan. Und nun sagt Edward auch noch zu und lässt Susan im Restaurant sitzen. Ernsthaft? Die Entwicklung Edwards zum "Mann", der nun abgeklärt und offenbar ein ernsthafter Schriftsteller ist, muss jetzt nochmal wie ein Fünfjähriger nachtreten? Es ist ja nicht so, dass Susan nur durch sein Buch leidet, sie bereut ihr Leben und ihre damalige Entscheidung ja ohnehin. Hier ist die Buchvorlage definitiv cleverer: Hier reagiert Edward nämlich auf keine Nachricht von Susan.

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