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Pollock

Pollock
biografie , usa 2000
original
pollock
regie
ed harris
drehbuch
susan emshwiller, barbara turner
cast
ed harris,
marcia gay harden,
val kilmer,
jennifer connelly,
bud cort, u.a.
spielzeit
122 Minuten
kinostart
6. Juni 2002
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Wer oder was ist ein Pollock? Während der breiten Masse der Name Jackson Pollock eher unbekannt sein dürfte, hat der eine oder andere ohne es zu wissen mit Sicherheit schon mal eins oder mehrere seiner Bilder gesehen. Das sind als seine Haupterrungenschaft diese Klecksbilder, die Mitte des letzten Jahrhunderts die Kunstkritik massiv in zwei Lager spaltete: Innovation oder Prätention, die lebendigste, originellste Kunst ihrer Zeit oder die dementen Klecksereien eines bestenfalls sprunghaften Geistes? Einfache Antworten auf diese Fragen gibt der Film nicht, und eine der Antworten, die er gibt, ist: Nein, nicht jeder kann einfach drauflos kleckern und daraus Kunst schaffen, Pollocks Bilder und seine "drip'-Technik sind Ergebnisse harter Arbeit und künstlerischer Vision. Und es sind die Szenen, in denen Pollock - sehr glaubwürdig verkörpert von Ed Harris, auch Regiedebütant hier - diese Werke auf die Leinwand bringt, die in Erinnerung bleiben. Lebendig und energisch, fast manisch darin.

Leider kann man einen Zweistundenfilm nicht nur mit Malen füllen, schließlich sind wir hier in einem Biopic für die große Leinwand und nicht in einem Seminar für die Kunsthochschule, und so wird dann Pollocks Geschichte erzählt, vom zähen Karriereanfang zu Beginn der 40er Jahre, seiner künstlerischen und vor allem privaten Beziehung zu Lee Krasner (Marcia Gay Harden), sein Durchbruch mit den ersten "drip paintings" 1947, dem Aufstieg zum ersten zelebrierten Künstler des Post-Kriegs-Amerika Anfang der Fünfziger und dann seinem Verfall in Manische Depression und Alkoholismus bis zu seinem tragischen Tod im Jahre 1956.

Und mit diesem knapp umrissenen Plot des Pollocks letzte und wichtigste 15 Jahre dokumentierenden Films beginnen die Probleme. Positiv sei hier zuerst vermerkt, dass dieser Film nicht in die Falle läuft, uns die althergebrachten Klischees über den gequälten Künstler, die Mischung aus Genie und Wahnsinn etc. wiederzukäuen, oder in billige Hobbypsychologie abzugleiten. Andererseits lässt er uns mit einem fragmentarischen Storygerüst zurück, das nicht so recht tragen will. Vieles wird hier angerissen aber dann nicht fortgeführt. Man sieht ein bisschen Pollock als Familienmensch, ein bisschen Pollock als unwahrscheinlichen und sich unwohl fühlenden Star und ganz viel Pollock, der sich schlecht benimmt. Aber es rauscht alles relativ belanglos am unberührten Zuschauer vorbei - wobei Rauschen hier nicht ganz korrekt ist, Traben trifft das gemächliche Tempo besser.
Woran es letztlich liegt, dass dieser Film nicht recht packen will, bleibt, wie vieles im Leben des Jackson Pollock, schwammig und unklar, nicht greifbar. Vielleicht die Tatsache, dass man nur so und so viele selbstzerstörerische Künstler sehen kann und möchte, dass die alte Story eben doch nicht vermieden werden kann. "It's better to burn out than to fade away" sang Neil Young, und da sich leider allzu viele Künstler (aus allen Bereichen) dieses Credos annahmen, kann auch "Pollock" nicht viel Bemerkenswertes oder gar Neues beitragen.

Zumindest an den Schauspielern liegt es nicht: beide Hauptdarsteller oscar-nominiert, sie gewann (wenn auch in der Nebenrollen-Kategorie), er nicht. Beide Vorstellungen sind subtil, understated, fast gar nicht da als Performance an sich. Harris' Pollock wirkt selbst wie aus einem Gemälde, mit steter Zigarette im Mundwinkel ist er einer von Edward Hoppers Nachtfalken, direkt von der einen Leinwand auf die andere gewandert. Harris ist besonders gut, wenn Pollock wütend ist: dort nicht nur aber besonders verleiht er ihm eine poetische Note, die bleibt. Der Oscar für Marcia Gay Harden ist sicherlich diskutierbar, nicht unverdient zwar, aber eben auch nicht offensichtlich.
Andere bekannte Gesichter tauchen auf, hinterlassen aber wenig Eindruck. Val Kilmer gibt William De Kooning mit recht gelungenem Akzent und latent homoerotischer Aura, Jennifer Connelly gibt's hier nur die letzten zwanzig Minuten und auch nur als Augen-Leckerli. Immerhin startete sie hier ihren Lauf, der bis hin zum verdienten Oscar für "A Beautiful Mind" führte.

Apropos: Dessen Überdramatisierung war zwar dann auch debattierwürdig, produzierte aber einen wesentlich zuschauerfreundlicheren, interessanteren Film. Denn auch unter den Biopics der jüngeren Vergangenheit nimmt "Pollock" leider eher einen der hinteren Plätze ein. Er kann weder die Episodenhaftigkeit als Motiv vorweisen wie "Der Mondmann", noch mit der Intensität und dem brodelnden Subtext von "Gods and Monsters" aufwarten und erinnert statt an diese weitaus gelungeneren Streifen auch eher an Michael Manns missglückten "Ali". Wie letzterer ist auch "Pollock" gut gemeint, gut gespielt aber letztlich und vor allem auch langatmig, zudem behäbig wie die abgewrackte, aufgedunsene Titelfigur in ihren letzten Jahren.

Über den Abspann orakelt zum Schluss Tom Waits, der alte Nöler, "The World keeps Turning". Definitiv auch ohne diesen Film. Dann lieber zwei Jahre warten und im Arte-Themenabend mitnehmen.

Simon Staake

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