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The Player

The Player
satire , usa 1992
original
the player
regie
robert altman
drehbuch
michael tolkin
cast
tim robbins,
fred ward,
peter gallagher,
greta scacchi,
whoopi goldberg, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
homepage

„They never come back“ sagt man gerne über Künstler (seien es nun Schauspieler, Musiker oder was auch immer), die, bei Kritik und Publikum in Ungnade gefallen, zurücktreten mußten aus dem gigantischen Spotlight, das die Schönen, Erfolgreichen und Wohlhabenden über den einfachen Pöbel erhebt. Diese Showbiz-Weisheit wird hin und wieder ad absurdum geführt, wenn eine vermeintlich in der Versenkung verschwundene Person die Rückkehr ins Rampenlicht schafft. Was die Filmwelt betrifft, so gelang das wohl außergewöhnlichste Comeback dieses Jahrzehnts dem Regisseur Robert Altman.
In den Siebzigern war Altman einer der ganz großen Namen Hollywoods. Seine Filme „M.A.S.H.“ und „Nashville“ gelten als zwei der besten des ganzen Jahrzehnts und machten ihn zu einer Galionsfigur des seriösen Films. Doch mit dem Übergang in die Achtziger waren Altman’s satirische Blicke in die Innereien Amerikas nicht mehr gern gesehen, denn die Studios orientierten sich zusehends an gewinn- denn prestigeträchtigen Projekten. Frustriert und allein gelassen kehrte Altman Hollywood den Rücken und wart fortan nicht mehr gesehen.
So dachte man zumindest, bis 1992 „The Player“ in die Kinos kam, die furioseste und fieseste Rückkehr, die ein Regisseur wohl je hingelegt hat. Bitterböse und ohne einen Funken Respekt entlarvte Altman die Oberflächlichkeit und Arroganz der „Wichtigen“ in Hollywood. Dabei konnte er sich der tatkräftigen Unterstützung von so ziemlich jedem sicher sein, der zu dieser Zeit Rang und Namen hatte. Die großen Schauspielstars schlugen sich fast die Köpfe ein, um in Altman’s neuem Film nur einmal kurz durchs Bild laufen zu dürfen, und so vereingt „The Player“ eine in der Geschichte Hollywoods einmalige Ansammlung an Cameos. Die Aufmerksamkeit des ganzen Landes war ihm sicher, und mit der Oscar-Nominierung als bester Regisseur konnte Altman dann endgültig seine Rückkehr in die Riege der großen Namen als vollendet bezeichnen. 

Im Zentrum von „The Player“ steht Griffin Mill, seines Zeichens Studio-Vizepräsident. Nicht, daß das irgendwas bedeuten würde. Es wimmelt nur so von Vizepräsidenten und Leuten, die eigentlich das selbe sind. Griffin Mill gehört zu denjenigen, deren Namen später nicht an prominenter Stelle auf dem Filmposter stehen, er hat noch nicht einmal die Befugnis, einem Projekt eigenverantwortlich grünes Licht zu geben. Er ist lediglich eine Zwischenstation, erste Anlaufstelle für Drehbuchautoren und solche, die es werden wollen. In einer kongenialen, achtminütigen Kamerafahrt zu Beginn des Films veranschaulicht Altman im Eiltempo nicht nur die Gesinnung der heutigen Studiobosse (klar waren die Filme früher besser, aber wenn wir solche Filme heute machen würden, würden wir ja pleite gehen), sondern zeigt auch die Funktionsweise von Griffin’s Job auf. Vor seiner Tür stehen die Autoren Schlange, und wenn einer mal tatsächlich ins Büro darf, hat er genau dreißig Sekunden, um seine Idee zu verkaufen. Obwohl Griffin letztlich ein kleiner Fisch ist, für die Drehbuchautoren ist er der Antichrist. Als er eines Tages anonyme Drohbriefe bekommt, stellt sich daher auch kaum die Frage, woher diese kommen. Ein Autor fühlt sich schlecht behandelt. Griffin hatte behauptet, er würde ihn zurückrufen, und dies nicht getan. Jetzt trachtet man ihm nach dem Leben.
Als ob der Arme gerade nicht genug Probleme hätte. Der Präsident hat soeben einen jungen Hotshot von der Konkurrenz abgeworben, und der ist heiß auf Griffin’s Posten. Der muß nun an zwei Fronten gleichzeitig arbeiten: Einerseits muß er höllisch aufpassen, nicht entlassen zu werden, andererseits sucht er den Autor der Drohbriefe. Den glaubt er bald ausgemacht zu haben, stellt ihn nach einem Kinobesuch zur Rede, gerät in ein Handgemenge, und tötet den vermeintlichen Täter. Mehr versehentlich als absichtlich. Aber das macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Und schon hat Griffin ein weiteres Problem: die Polizei. Gleichzeitig beginnt er sich für die Freundin des Verstorbenen zu interessieren, die etwas extravagante Isländerin June Gudmundsdottir (Greta Scacchi, damals ganz dick im Geschäft, inzwischen hat sie ein Comeback mehr als nötig). Und nebenbei ist er noch dabei, ein Projekt zu pitchen, das seine Position in der Studio-Hierarchie stark verbessern könnte.

Um Griffin herum gruppiert sich eine gewaltige Masse an Nebencharakteren, wie sie abwechslungsreicher und amüsanter kaum sein könnte. Da gibt es z.B. Whoopi Goldberg als ermittelnde Polizistin, der es einen wahnsinnigen Spaß zu bereiten scheint, Griffin so richtig ins Schwitzen zu bringen. Oder ein Autoren-Brüderpaar (gespielt vom eigentlichen Autor Tolkin und seinem Bruder), das einen „wahren“ Film ohne große Namen machen will (es endet als eine blöde Schmonzette mit Julia Roberts und Bruce Willis). Ein anderer Autor, der sein Buch so unbedingt an den Mann bringen will, daß er kein kassenträchtiges Genre draußen läßt („So it’s kind of a psychic-political-thriller-comedy, with a heart“). Ein Sicherheitschef, der sich aufführt wie der Held einer Krimiserie aus den Sechzigern. Und nicht zu vergessen Griffin’s neuer Studiokonkurrent, der den famosen Vorschlag macht, die Autoren zukünftig aus dem kreativen Prozeß auszuschließen. Eine blöde Story kann man sich schließlich anhand jeder Zeitungsmeldung zusammen basteln.
Alle zusammen malen ein herrlich gemeines Bild der Szene in Hollywood, wo man alles dafür tut, um nach oben zu kommen, und dann möglichst gar nichts mehr tut, um nicht wieder runter zu müssen. Wo künstlerische Ansprüche durch geschäftliche Denkweisen korrumpiert werden. Und wo die Top-Angestellten in einem eigenen kleinen Kosmos leben, in dem es einzig darum geht, besser auszusehen als die direkten Konkurrenten, und Filme nichts mehr sind als ein Mittel zum Zweck.

Tim Robbins und Robert Altman haben mit Griffin Mill einen der schillernsten Charaktere in der Filmgeschichte der Neunziger geschaffen. Er ist ein fieses, hedonistisches Arschloch, aber dennoch ist er weit mehr als eine bloße Haßfigur, denn irgendwie versteht der Zuschauer, wie Griffin zu dem werden konnte, was er ist. Griffin ist nicht mehr als das Ergebnis seiner kaputten Umgebung und somit nur ein weiterer Aspekt dieser säuberlichen Demontage der vermeintlichen Traumwelt Hollywood.

Es ist schon erstaunlich, daß Altman ausgerechnet mit einer gnadenlosen Abrechnung Hollywoods seine alte Stellung in der Filmmetropole wieder erlangte. Nichtsdestotrotz war er nach „The Player“ wieder ebenso unantastbar, wie er es 1975 nach „Nashville“ war, nur um einige wichtige Erfahrungen reicher. Von nun an konnte der Altmeister endlich wieder die Filme machen, die er machen wollte. Bis auf den direkten Nachfolger „Short cuts“ blieb er aber hinter seinen Möglichkeiten zurück. Doch auch wenn Robert Altman inzwischen ein etablierter Name ist, so kann er sich doch rühmen, daß aufsehenerregendste Comeback dieses Jahrzehnts hingelegt zu haben.

Frank-Michael Helmke

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