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U-571

U-571
action , usa 2000
original
u-571
regie
jonathan mostow
drehbuch
jonathan mostow, sean montgomery
cast
matthew mcconaughey,
harvey keitel,
jon bon jovi,
bill paxton, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
14. September 2000
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Eine Seefahrt, die ist lustig ... allerdings nicht mehr so sehr, wenn man sich an Bord eines schrottreifen U-Boots befindet, dem im Sekundenabstand die Bomben aufs Dach prasseln. Dabei war alles ganz anders geplant: 
April 1942, U-Boot-Krieg im Atlantik. Unter der Leitung von Lt. Commander Dahlgren (Bill Paxton) läuft die SS-33 aus, um einen Geheimauftrag der Regierung zu erfüllen. An Bord des manövrierunfähigen deutschen U-Boots U-571 wird eine "Enigma" vermutet - eine technisch hochentwickelte Chiffriermaschine. Die Amerikaner planen ein Täuschungsmanöver, um die Maschine in ihren Besitz zu bringen. Als deutsches U-Boot getarnt soll es die SS-33 ermöglichen, die U-571 zu entern und damit die "Enigma" zu sichern. Was soweit auch einigermaßen gelingt, bis plötzlich die Hölle losbricht. Ein deutsches U-Boot versenkt die SS-33. Unter dem Kommando des jungen Lt. Tyler (Matthew McConaughey) retten sich eine Handvoll der amerikanischen Soldaten, darunter der Einsatzleiter Lt. Hirsch (Jake Weber) und der knorrige Chief Klough (Harvey Keitel), an Bord der U-571 und schaffen es, das angeschlagene deutsche Schiff so weit wiederherzustellen, um ihren Feinden zu entkommen. Allerdings befinden sie sich tief hinter feindlichen Linien und können keine Hilfe anfordern. Die einzige Möglichkeit: Sich durch die deutschen Reihen nach England durchschlagen. In einem schrottreifen Schiff und unter einem unerfahrenen Kapitän versucht die "neue" Crew der U-571 das Unmögliche... 

Ein vermutlich zutreffendes Sprichwort besagt, das erste Opfer im Krieg wäre die Unschuld. Bei Jonathan Mostows Cinemascope-Version von "Schiffe versenken" ist das erste und größte Opfer ganz eindeutig die Logik. Bereits die Geheimmission erscheint in ihrer Plumpheit völlig unlogisch: Einfach 'n Hakenkreuz auf's eigene Schiff pappen und einen einzigen (!) deutschsprechenden Soldaten mitnehmen - damals war Kriegsführung offenbar nix für Taktiker. 
Ist man dann erst mal an Bord der U-571, wird es ganz abenteuerlich: Die deutsche Crew hat es tagelang nicht geschafft, den alten Kahn wieder flott zu machen aber den good ol' boys aus Amerika gelingt das innerhalb von Sekunden. Naja, klar. Jetzt wissen wir also, warum Deutschland den Krieg verlor: reine Unfähigkeit. 
Wie wenig man sich um innere Logik scherte, wird besonders deutlich bei der von Pop Star Jon Bon Jovi dargestellten Figur des Lt. Emmett. Nach Testvorführungen und in Erwartung entsetzter weiblicher Bon Jovi-Fans schnitt man dessen brutalen Filmtod durch Enthauptung kurzerhand raus - mit dem Ergebnis, dass diese Figur nun ohne Erklärung von einer auf die andere Minute verschwindet. Sehr merkwürdig. Aber vielleicht bewegen sich die U-Boote ja im mysteriösen Bermuda Dreieck? 
Und je weiter unser Schiffchen durch die diversen Abenteuerchen schippert, desto größer wird der Unfug, der einem aufgetischt wird: Die U-571 ist von Filmbeginn an ein Wrack, wird dann abwechselnd mit Bomben beworfen, per Torpedo attackiert oder in Tiefen gesenkt, in denen es eigentlich auseinanderreißen müsste. Macht aber alles nix, denn es handelt sich bei dem Teil um echte deutsche Wertarbeit. Hart wie Kruppstahl und zäh wie Windhunde. Damals - und das weiß uns Hollywood eben auch - galt das Gütesiegel "Made in Germany" halt noch was. 

Dabei sollten wir nicht zu hart und zynisch urteilen. Logik ist halt in Kriegs- und Actionfilmen ein eher untergeordneter Faktor. Und handwerklich sauber ist das gezeigte allemal, bisweilen sogar leidlich spannend. Nur richtig mitreißen will einen das alles nicht. Dafür sind die Charaktere zu stereotyp, hat man ähnliche Geschichten zu oft - und wesentlich besser - gesehen. Dabei hatte man sich wirklich gestreckt, um dem Referenzwerk in Sachen Nautikabenteuer nahe zu kommen. Der Versuch, Wolle Petersens Klassiker "Das Boot" nachzueifern, gipfelte sogar darin, dass man den damaligen Produktionsdesigner Götz Weidner hier mitarbeiten ließ, der ohne Frage tadellose Arbeit abliefert. 
Hätte man sich doch bloß beim Drehbuch auch solche Mühe gegeben. Kann "Das Boot" auch ohne Mühe als Charakterstudie durchgehen, macht "U-571" keinen Hehl aus seinem völligen Desinteresse für die einzelnen Figuren. Was bei einem Ausnahmeschauspieler wie Harvey Keitel schon eine Frechheit darstellt. Diese Ikone lächerliche Reißbrettsätze à la "Er ist euer Captain und nur das zählt" aufsagen zu lassen und ansonsten auf reine Anwesenheit zu reduzieren ist nur eine der vielen verschenkten Möglichkeiten. Der deutsche Kapitän Wassner (Thomas Kretschmann) zum Beispiel soll wohl an Jürgen Prochnows "Schweiger" erinnern, hat aber im Film nichts anderes zu tun, als manisch zu gucken und stumpfe Sabotageakte zu begehen. Soviel zum Thema Charakterkino. Einzig pretty boy McConaughey passt wie die Faust aufs Auge. Glatt und ohne Profil ist hier halt das einzige was gefordert wird, traurigerweise. 
Auch die Geschichte langweilt mit dem üblichen Schmonzes stereotypischer Kriegsabenteuer. Am Anfang verweigert Paxton McConaughey ein eigenes Kommando, weil er ihn für noch nicht reif genug hält. Typischer old stuff vs. new stuff, mit den üblichen Spielchen: Wenn Paxton dem jungen Offizier vorhält, er sei nicht bereit, im Ernstfall einen seiner Matrosen in den Tod zu schicken, wissen wir, dass unser Matthew genau dies tun muss und tun wird. Inklusive Gedenkminute für den gefallenen Kameraden, natürlich. Und wenn die tapferen Jungs von Uncle Sam dann dem finalen Sonnenuntergang entgegenschippern, ist alles in reaktionärer Ordnung. Die Guten haben gewonnen, der böse Deutsche ist besiegt. Hallelujah.
"U-571" ist ein weitgehend logikfreies Actionfilmchen mit Kriegsanstrich und wesentlich mehr Tauch- als Tiefgang. Wer nicht mehr erwartet und auf simples aber effektives Popcornkino steht, kann an diesem Film durchaus Gefallen finden. Alle anderen sollten vielleicht lieber die Videosammlung nach dem "Boot" durchsuchen, oder aber als alte Sesamstraßengucker ganz entspannt mit Kermit singen: "In dem grün-gelben U-Boot leben wir, U-Boot leben wir, U-Boot leben wir..." 

Simon Staake

10

Mal wieder der typische USA-Scheiss damals in die Hose machen und heute selbst ein auf übermensch machen

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