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Zeit zu leben

Zeit zu leben
drama , usa 2012
original
people like us
regie
alex kurtzman
drehbuch
alex kurtzman, roberto orci, jody lambert
cast
chris pine,
elizabeth banks,
michelle pfeiffer,
olivia wilde,
michael hall d'addario, u.a.
spielzeit
114 Minuten
kinostart
18. Oktober 2012
homepage
bewertung

7 von 10 Augen
Zeit zu Leben - Poster

Drehbuchautor Alex Kurtzman hat zusammen mit seinem Schreibpartner Roberto Orci eine ziemlich beeindruckende Schaffensbilanz im Action- und Science-Fiction-Bereich vorzuweisen, unter anderem stammen aus ihrer Feder der "Star Trek"-Reboot, die ersten beiden "Transformers"-Filme, "Mission: Impossible III", "Die Insel" sowie substantielle Teile der TV-Serie "Fringe". Zeit zu lebenEs kommt dementsprechend einigermaßen überraschend, dass Kurtzmans Kino-Debüt als Regisseur nun ausgerechnet als schlichtes, unspektakuläres Familiendrama daherkommt, also in einem Genre, für das man sich von Regisseuren wie Michael Bay oder J.J. Abrams nicht sonderlich viel Brauchbares abgucken kann. Es kommt dementsprechend ebenfalls einigermaßen überraschend, dass "Zeit zu leben" gerade in seinen ruhigen, sehr persönlichen Momenten ein sehr überzeugender Film geworden ist.

Sam (Chris Pine) ist ein junger Mann, der in seinem etwas halbseidenen Job nie um Worte verlegen ist, doch was er gar nicht gut kann, ist sich unangenehmen Konflikten stellen. Als er erfährt, dass sein Vater gestorben ist, mit dem Sam nie ein gutes Verhältnis hatte, fällt seine Reaktion darum erstmal so aus, dass er seiner Freundin am Flughafen eine Szene über einen angeblich vergessenen Ausweis vorspielt, damit sie ihren Flug nach L.A. und damit die Beerdigung verpassen. Das Schauspiel fliegt leider auf und so sieht Sam nach einigen Jahren Funkstille seine Mutter (Michelle Pfeiffer in großartiger ungeschminkter Natürlichkeit) wieder - nicht gerade eine unbeschwerte Begegnung. Sam hofft auf ein finanziell lohnenswertes Erbe seines als Musik-Produzent leidlich erfolgreichen Vaters, doch stattdessen bekommt er vom Nachlassverwalter eine Tasche mit 150.000 Dollar in bar überreicht und eine handgeschriebene Bitte seines toten Vaters, dieses Geld einem 11-jährigen Jungen zu geben, von dem Sam noch nie gehört hat. Sam macht den Bengel und seine alleinerziehende Mutter Frankie (Elizabeth Banks) ausfindig und staunt nicht schlecht als ihm klar wird, dass Frankie die Tochter seines Vaters und somit Sams bis dato völlig unbekannte Halbschwester ist.

Zeit zu lebenDas muss man natürlich erst einmal verdauen, und da Sam wie gesagt nicht der Beste darin ist, einen Konflikt geradeaus anzugehen, ist er auch nicht in der Lage Frankie zu sagen, was sie beide verbindet und dass er 150.000 Dollar für sie hat, die ihr ziemlich bescheidenes Dasein deutlich einfacher machen würden. Stattdessen spielt Sam sich als vermeintliche Zufallsbekanntschaft an seine Schwester heran, um sie so besser kennen zu lernen. Gerade in dieser Phase hat "Zeit zu leben" seine stärksten Momente, denn jene toll geschriebenen und gespielten Szenen, in denen Sam und Frankie sich immer sympathischer werden, haben aus Sicht des Publikums eine brisante Doppelbödigkeit. Aus Sams Perspektive erlebt er unerwartete Nähe und Harmonie mit seiner ihm unbekannten Schwester, doch aus der Perspektive der ahnungslosen Frankie tritt hier gerade ein neuer Mann in ihr Leben, der sich auch noch super um ihren Lausebengel von einem Sohn kümmert - kurz: ein Mann, in den Frankie sich über kurz oder lang wird verlieben müssen. 

Es zählt zu den bemerkenswerten Errungenschaften von "Zeit zu leben", dass er das hier offensichtlich entstehende Dilemma niemals plakativ ausspielt, sondern es in den entscheidenden Szenen dem hervorragenden Spiel von Elizabeth Banks überlässt, das Unausgesprochene trotzdem deutlich spürbar zu machen. Banks ist die eigentliche Schau in einem durchweg sehr gut agierenden Ensemble - und dieses Lob schließt auch den Kinderdarsteller Michael Hall D'Addario ein, der als Frankies Sohn Josh das schwierige Kunststück fertig bringt, als freche Sprüche klopfendes Filmkind nicht zu nerven, sondern ziemlich authentisch rüber zu kommen. 

Zeit zu lebenKurtzmans Regie ist derweil sehr präzise und sicher, er weiß wo die Emotionen in seinen Figuren sitzen und weiß sie zum Vorschein zu bringen, wobei man (positiv) sein Bemühen bemerkt, trotz der sich nur langsam entwickelnden Geschichte seinem Film dennoch ein ordentliches Tempo zu geben. Unverkennbar ist zudem Kurtzmans Vertrautheit mit dem visuellen Stil von Hollywoods Big Budget-Kino, denn nicht nur der von "Star Trek" mitgenommene Hauptdarsteller Chris Pine sieht hier sehr gut aus: Visuell ist "Zeit zu leben" makellos, perfekt ausgeleuchtet und ansprechend designt. So makellos, dass man sich mitunter fragt, ob dieser Geschichte, die genausogut auch als Independent-Produktion funktioniert hätte, nicht auch ein wenig mehr "Indie-Look" gut getan hätte, um den sehr lebensnahen Konflikten der Figuren ein bißchen mehr Erdung zu verpassen. 

Trotz seiner fast schon zu sauberen Optik ist "Zeit zu leben" dennoch ein guter, schöner Film geworden, der mit ehrlichen Emotionen überzeugt und seine Geschichte wunderschön zu Ende bringt - allerdings hat ihn auch seine namhafte Besetzung nicht davor bewahrt, daheim in den USA zu floppen, wo es mitten in der Action-dominierten Sommer-Blockbuster-Saison nur zur mäßigen 14 Millionen Dollar Einspiel reichte. Es ist dem Film zu wünschen, dass er hierzulande ein bißchen besser aufgenommen wird, auch wenn ihm der deutsche Verleih mit seinem Griff in die nie versiegende Quelle für nichtssagende Titel (die wie hier auch gerne mal komplett am eigentlichen Inhalt des Films vorbei gehen) da sicher keine Hilfe sein wird.

Frank-Michael Helmke

Hätte man mehr draus machen

6

Hätte man mehr draus machen können: Wirkt trotz wahrer Begebenheit arg konstruiert und zu dialoglastig.

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