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Filmszene-Special: Interview mit Regisseur Richard Curtis

curtis 00Kein Anderer hat wohl in den letzten zwei Jahrzehnten die romantische britische Komödie so stark geprägt wie Richard Curtis. Ob als Drehbuchautor der Klassiker „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Notting Hill“, mit seiner Beteiligung an den „Bridget Jones“-Filmen oder schließlich den von ihm selbst inszenierten „Tatsächlich...Liebe“ und „Radio Rock Revolution“ hat der Filmemacher, der sich seine Sporen zuvor im englischen TV bei Reihen wie „Black Adder“ und mit „Mr. Bean“ verdiente, fast so etwas wie ein eigenes Genre geprägt. Über seine Karriere und natürlich seinen neuen Film „Alles eine Frage der Zeit“ sprach Richard Curtis mit Filmszene.

 

Filmszene: Mr. Curtis, hatten Sie vielleicht das Ziel die realistischte Zeitreisegeschichte zu schreiben die es jemals gab?

 

Richard Curtis. Lassen Sie es mich so sagen: Wenn man mit so einer Geschichte anfängt, gibt es erstmal eine Menge Möglichkeiten und Richtungen in die man dabei gehen kann. Die Grundidee war die eines „perfekten Tages“ und wie der wohl aussähen würde, wenn man ihn völlig frei gestalten könnte. Meiner bestünde jedenfalls nicht daraus, etwa mit einem Supermodel auszugehen oder den Oscar zu gewinnen. Stattdessen würde ich lieber die Zeit mit meiner Familie und anderen Menschen die ich liebe verbringen. Doch wann schafft man es schon mal, das Glück und die Normalität des eigenen Lebens wirklich zu genießen? Will man nicht lieber ständig was verbessern? Eine simple Feststellung, aber wie macht man daraus einen Film? Und da kam dann schließlich die Zeitreise ins Spiel, die es möglich macht vieles zu ändern und die Frage aufwirft, ob sich das dann überhaupt lohnt.

 

Wie finden Sie dabei die richtige Balance zwischen den komödiantischen und dramatischen Elementen?

 

Das ist in der Tat stets etwas heikel und gerade bei diesem Fall war ich diesbezüglich auch sehr nervös. Denn in „About Time“ dominiert letztlich der ernsthafte Part und ich bin ja eigentlich mehr ein Mann der Komödie. Ich war mir also nicht so sicher, ob ich das vernünftig hin bekomme und es ist meistens eine Instinktsache. Gerade was aber die Beziehung zwischen Vater und Sohn am Ende betrifft, habe ich da doch bisher recht positive Rückmeldungen bekommen, das scheint also wohl zu funktionieren. Aber natürlich soll jetzt bitte niemand denken, es gäbe in diesem Film nicht auch einiges zu lachen oder wenigstens zum Schmunzeln.

 

curtis 1Hatten sie denn auch Sorgen angesichts der heiklen Zeitreise-Thematik?

 

Insofern, als dass so ein Thema die ganze Produktion sehr kompliziert macht. Man muss so wahnsinnig viele Details beachten, darauf schauen welche Figur in welcher Szene welche Klamotten trägt, darauf, dass alles zusammen passt. Wobei ich da ja nicht ganz unbefleckt bin, denn wir haben vor vielen Jahren bei „Black Adder“ schon Zeitreisegeschichten gemacht und auch von meiner Mitarbeit bei „Dr. Who“ konnte ich ein wenig zehren. Doch wie sehr ich dieses Thema tatsächlich mag, habe ich dann erst beim Drehen selbst festgestellt, zuvor war es mehr ein Mittel zum Zweck. Im Grunde ist ja aber auch mein absoluter Lieblingsfilm „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart letztendlich eine Zeitreisegeschichte.

 

Ihre Filme verbreiten stets eine sehr optimistische Grundstimmung, selbst wenn den Figuren zwischendurch mal nicht alles gelingt. Entspricht dieser Optimismus ihrer eigenen Lebenseinstellung?

 

Mir ist bewusst, dass meine Filme so gesehen werden und das darin vielleicht nicht immer alles auf höchst realistischem Wege zum guten Ende führt. Aber ich bin sehr stolz auf diesen Aspekt, denn genau solche Filme möchte ich ja machen. Nicht ohne Grund sind meine größten Idole die „Beatles“, denn die konnten das auch. Selbst im größten Missgeschick oder wenn sie über Trauriges singen, selbst wenn sie „Help! - I need Somebody“ rufen, findet sich bei ihnen immer auch der Schalk, Witz und Optimismus – weil sie offensichtlich gar nicht anders konnten und in dieser Tradition sehe ich mich.“Abba“ konnten das übrigens auch sehr gut. Man merkt, ich reagiere sehr emotional auf Popmusik.

 

Sie haben kürzlich mit Steven Spielberg bei „Warhorse“ zusammen gearbeitet. War das etwas völlig anderes, wo Sie Ihre sonstige, ich nenne es mal „Komfortzone“ verlassen mussten?

 

Steven ist ein bemerkenswerter Filmemacher, mit einer ganz klaren Vision was er erreichen will und gleichzeitig einer unglaublichen Vorstellungskraft. Der sich nicht scheut, innerhalb von Minuten sämtliche Planungen umzuschmeißen, wenn ihm spontan eine neue, bessere Idee kommt. Oder manchmal auch gleich fünf neue Ideen auf einmal. Einige dieser Einfälle waren in der Tat besser als meine, die habe ich dann einfach übernommen und als meine eigenen ausgegeben (lacht). Aber diese „Komfortzone“ gibt es für mich tatsächlich, denn ich bin der Überzeugung, dass ich bessere Arbeit in den Bereichen abliefere, von denen ich auch etwas verstehe.

 

 

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Richard Curtis beim Interview mit Filmszene-Redakteur Volker Robrahn

Sie haben dann aber ja irgendwann begonnen Ihre Drehbücher selbst umzusetzen. Der Gedanke liegt nahe, dass Sie das deshalb tun, weil halt doch kein anderer Regisseur ihre Ideen genau so adaptieren kann wie Sie es sich vorstellen.

 

Das ist natürlich letztlich so. Ich musste irgendwann wechseln und übernehmen, denn sonst hätte mich vermutlich der nächste Regisseur umgebracht. Denn es war wirklich sehr schwer und anstrengend mit mir zu arbeiten, da ich eben meine eigenen Vorstellungen hatte. Dass ich dabei nicht immer im Recht war sondern oft lediglich eine andere Meinung hatte, ist mir erst im Laufe der Jahre klar geworden, mit der Weisheit des Alters.

 

Ist es denn heute grundsätzlicher schwieriger noch eine romantische Komödie zu machen, die sich nicht an die immer gleichen Formeln hinsichtlich Inhalt und Besetzung hält?

 

Man sollte glauben, dass ich darüber öfter nachdenke, aber das ist nicht der Fall. Als wir damals „Vier Hochzeiten“ drehten, hatte ich eigentlich gar keine romantische Komödie im Sinn. Ich wusste nicht einmal was das bedeutet, für mich war das eher eine mehr oder weniger autobiographische Geschichte über junge Leute. Bei „Notting Hill“ wusste ich dann zwar was ich tue, habe aber sofort versucht ein wenig mit den Konventionen herum zu spielen, einen besonderen Dreh einzubauen. Die ganz klassische romantische Komödie mit einfach zwei Personen die sich auf voraussehbare Weise schließlich kriegen, die wird es – hoffentlich – von mir nie geben.

Volker Robrahn

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